Wir haben die holzfreundlichsten Gemeinden Österreichs gefunden!

Im Rahmen der bundesweiten Initiative "Wald im Klimawandel" haben 43 österreichische Gemeinden insgesamt 79 Projekte im Rahmen des Wettbewerbes "Holzfreundlichste Gemeinde" eingereicht. Am 5. Oktober wurden die Siegerprojekte gekürt. Von den neun Landessiegern konnte Gemeinde Kuchl (SBG) den ersten Preis, Raabs (NÖ) den zweiten und Graz (STMK) den dritten Preis gewinnen. Die feierliche Prämierung fand im Binder FeuerWerk in Fügen, Tirol, statt und wurde durch Bundesminister Andrä Rupprechter gemeinsam mit Gemeindebundpräsidenten Alfred Riedl und Präsidenten der Landwirtschaftskammer Tirol, Josef Hechenberger, vorgenommen.

  1. Kuchl (SBG)
  2. Raabs (NÖ)
  3. Graz (STMK)

Gemeinden aus allen neun Bundesländern haben sich um den Titel "holzfreundlichste Gemeinde Österreichs" bemüht und eine Reihe hervorragender Projekte zum Thema Wald und Holz eingereicht. Die Salzburger Gemeinde Kuchl konnte die siebenköpfige Jury mit der Gesamtheit ihrer holzfreundlichen Projekte überzeugen. Für die Tennengauer ist Holz und Wald ein zentrales Thema und wer schon einmal in Kuchl war weiß, dass dort Holz einen ganz besonderen Stellenwert einnimmt. Zur Bündelung der vielfältigen Holzprojekte wurde eigens der Verein Holzgemeinde Kuchl ins Leben gerufen.

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Musikum Kuchl (c) Gemeinde Kuchl

Auch gibt es in der Gemeinde die Ausbildungsstätte Holztechnikum mit mehr als 1.000 Schülerinnen und Schülern. Seit Jahren steigert Kuchl kontinuierlich den Anteil an Holzbauten. Eine bäuerliche Genossenschaft betreibt ein Hackschnitzel-Heizwerk, versorgt alle öffentlichen Gebäude bzw. mehr als 190 Objekte mit Wärme und Warmwasser. Das Hackgut kommt aus der Umgebung der Gemeinde. Nicht zuletzt machen in Kuchl auch Veranstaltungen wie das Holzfest, die Holzschatzsuche sowie einladende Holzwege bzw. Baumlehrpfade auf die Vielseitigkeit von Holz aufmerksam und informieren die Bevölkerung.

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Gemeindezentrum (c) Gemeinde Kuchl

"Kuchl hat mittlerweile alles, was es als Holzgemeinde auszeichnet: vom Waldkindergarten, zum Holztechnikum, Gemeindeamt, Musikum werden mittlerweile auch viele Wohnhäuser aus dem lebenswerten Rohstoff Holz gebaut. Holz sorgt für Lebensqualität in Kuchl", sagt Bürgermeister Andreas Wimmer.

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Innenhof des Holztechnikums (c) Gemeinde Kuchl

Niederösterreich auf Platz zwei

Über den zweiten Platz darf sich Raabs an der Thaya freuen. Die Waldviertler Gemeinde setzt in vielen Bereichen auf den nachwachsenden und regionalen Rohstoff Holz.Seit über 20 Jahren werden zahlreiche Aktivitäten in Kooperation mit Waldbesitzerinnen und Waldbesitzern sowie der Bevölkerung gesetzt. Die Palette reicht von einer Waldwirtschaftsgemeinschaft über die Energiebereitstellung durch ein Biomasseheizwerk bis hin zur gezielten Einbindung von Bildung und Tourismus.

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Baumsetzen mit der Waldkönigin (c) Stefan Schneider

In der der Gemeinde ist die Holzfreundlichkeit an jeder Ecke anzusehen.Mit der Waldviertler Wurzelwelt und waldpädagogischen Angeboten wird bei Jung und Alt Bewusstsein für Holz und Wald geschaffen. Alle zwei Jahre findet in Raabs auch das Waldfest statt, das Besucherinnen und Besucher aus ganz Niederösterreich anzieht.

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Waldwirtschaftsgemeinschaft (c) Gemeinde Raabs

"Wir haben schon vor mehr als 20 Jahren erkannt, dass der Wald mit seinen nachwachsenden und regionalem Rohstoff Holz großes Potential hat", sagt Bürgermeister Rudolf Mayer.

raabs wurzelwelt c gemeinde raabsWurzelwelt (c) Gemeinde Raabs

Steirische Stadt auf Platz drei

Auf dem dritten Platz liegt mit Graz eine Stadtgemeinde die bei kommunalen Hochbauten bewusst auf Holz setzt.

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Kinderkrippe Prochaskagasse (c) Stephan Friesinger

Neben Neuerrichtungen sowie Zu- und Umbauten verwendet die Gemeinde Holz auch gezielt im Innenausbau. Kinderbetreuungsstätten wie zum Beispiel die Volksschule Mariagrün oder die Kinderkrippe Schönbrunngasse wurden in Passivhausbauweise errichtet.

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Volksschule Mariagrün (c) Markus Kaiser

Doch für Graz ist nicht nur wichtig, wo Bildung stattfindet, sondern auch, was vermittelt wird. Darum betreibt die Stadt eine Waldschule, in der Kinder und Erwachsene den Wald und den Rohstoff Holz mit allen Sinnen erleben können. Damit die Wälder in der Gemeinde auch in Zukunft klimafitte Orte der Erholung bleiben, wird nachhaltige Waldbewirtschaftung großgeschrieben.

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Volksschule Algersdorf (c) Pierer

Burgenlands hölzerner Kindergarten

Vorzeigeprojekt aus dem Burgenland ist der Kindergarten von Zemendorf-Stöttera, der als beinahe 100%iger Holzbau errichtet wurde. Gerade für Kinder ist der natürliche Rohstoff Holz von großer Bedeutung. Er schafft ein warmes Raumklima und strahlt eine heimelige Atmosphäre aus. Dieses Argument war beim Bau des Kindergartens ein wichtiges Kriterium. Um dem umweltfreundlichen Holzbau einen grünen Rahmen zu geben, kam es zur naturnahen Begrünung der Dächer. Holzfreundlichkeit ist der Gemeinde durch und durch ein Anliegen. So werden Kindergarten und Volksschule durch eine Hackschnitzelheizung mit Wärme versorgt. Zudem sind sämtliche Spielgeräte der drei öffentlichen Spielplätze aus Holz gefertigt. Auch der gemeindeeigene Wald wird nachhaltig bewirtschaftet und liefert den Rohstoff für die Hackschnitzelheizanlage. "Unsere Gemeinde legt einen großen Wert auf Naturnähe. Holz ist ein Material, das diese Nähe widerspiegelt und eine warme, heimelige Atmosphäre ausstrahlt. Beim Bau des Kindergartens war uns dies ein besonderes Anliegen", sagt Bürgermeister Josef Haider.

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Kindergarten (c) Zemendorf-Stöttera

Bildung auf dem Holzweg in Kärnten

In Moosburg steht der nachwachsende Rohstoff Holz ebenso wie Bildung hoch im Kurs. Da war es naheliegend, Holz aus heimischen Wäldern als Baustoff für die Errichtung des Bildungscampus zu verwenden. Die Gemeinde forciert bei öffentlichen Bauten Holz als wichtigen Beitrag zur Stärkung der regionalen Wertschöpfung. Die Vorgabe, ein einfaches und kostengünstiges Gebäude zu errichten, wurde in Form einer Holzrahmenkonstruktion umgesetzt. Die Fassade besteht aus vertikalen, unterschiedlich tiefen Latten und Staffeln aus unbehandelter Fichte. In der zweiten Baustufe wurden mit Beteiligung der Bürgerinnen und Bürgern "Zukunftsräume" entwickelt. Auf diese Weise entstanden sehr offene und freundliche Räume aus Vollholz mit großen Fensterflächen, die ein positives, helles Spiel- und Lernumfeld schaffen. "Holz ist genial. Ein Rohstoff, der vor der Haustür wächst und die Wertschöpfung im Ort lässt", sagt Bürgermeister Herbert Gaggl.

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Bildungscampus Moosburg (c) Astrid Meyer

Vollholz-Musterpark in Oberösterreich

Die 830-Seelen-Gemeinde Steinbach am Ziehberg entwickelt sich zum "Vollholz-Musterpark". Holz als Baumaterial dominiert bei den öffentlichen Gebäuden, Als Beispiel kann das erste Vollholz-Feuerwehrzeughaus Oberösterreichs genannt werden. Neben dem Florianigebäude entstanden auch ein Mehrparteienwohnhaus und die Mehrzweckhalle der neu sanierten Volksschule als Holzbau. Den Rohstoff lieferten die lokale Waldbesitzerinnen und Waldbesitzer. Neben den kommunalen Bauten setzt die Traunviertler Gemeinde verstärkt auf die Bewusstseinsbildung von Jung und Alt. Begleitet von Forstprofis spazieren die Besucherinnen und Besucher beim Familienwaldtag durch den Wald und erfahren Wissenswertes über diesen Naturraum. Auch der Tourismus räumt dem nachwachsenden Rohstoff Holz viel Platz ein: Gäste können Öko-Vollholzhäuser für ihren Urlaub mieten. "Von der waldreichen Gemeinde zur holzfreundlichen Gemeinde, der Umwelt und regionaler Wertschöpfung zuliebe", sagt Bürgermeisterin Bettina Lancaster.

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Vollholz-Feuerwehrzeughaus (c) Gemeinde Steinbach am Ziehberg

Tirols holzfreundliches Gesamtkonzept

Pfunds punktet mit vorbildlicher Waldbewirtschaftung und misst Holz auch bei der Wissensvermittlung sowie in der Bauwirtschaft einen besonders hohen Stellenwert bei. Dass der gemeindeeigene Wald bestmöglich und nachhaltig bewirtschaftet wird und dass auch die Bürgerinnen bzw. Bürger in dieses wichtige Thema eingebunden werden, ist erklärtes Ziel von Pfunds. Holz aus dem Wald steht als Brennholz oder Hackgut für die Biomasseanlage der Gemeinde zur Verfügung. Zudem werden unter anderem Gemeindebauten, Brücken, Feldstädel mit dem Holz aus dem Pfundser Wald gebaut. Beispielsweise entstand am Ochsenbühl ein Waldlehrpfad mit Baumbuch. Jährlich gestaltet die Abschlussklasse der Neuen Mittelschule eine Seite. Im Radurschltal, einem Hochtal in der Gemeinde, wurde mit einheimischen Künstlern ein Skulpturenpark in einem Zirbenwald errichtet. "Pfunds ist umgeben von Wald, daher ist es uns wichtig, dass in unserer Heimatgemeinde mit dem Werkstoff Holz gebaut und gearbeitet wird, um die Umwelt zu schonen, unseren Lebensraum zu erhalten und die Lebensqualität zu verbessern", sagt Bürgermeister Rupert Schuchter.

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Eine Station auf dem Waldlehrpfad (c) Kathrin Plangger

Wien braucht Erholungsflächen

Die Gemeinde Wien ist im Besitz von mehreren Wäldern, die nachhaltig gehegt und gepflegt werden. Dies trägt ganz bedeutend zur hohen Lebensqualität der Stadt bei. Wien betreibt zwei Waldschulen in denen jährlich rund 7.000 Kinder einen Tag lang im Wald verbringen bzw. ihn erleben können – professionell begleitet von einer Försterin bzw. einem Förster. Eine wachsende Stadt braucht auch neue Grün- und Erholungsflächen. Bei der Aktion "Wald der jungen Wienerinnen und Wiener", an der sich bis zu 5.000 Personen beteiligen, werden jährlich neue Flächen angelegt. 15 Mio. Quadratmeter Waldfläche soll in den kommenden Jahren geschaffen werden. Einen zentralen Anteil daran wird der knapp 1.000 Hektar große Norbert-Scheed-Wald in der Donaustadt haben – gerade der Nordosten Wiens ist arm an Grünräumen.

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Umweltbildung in einer Wiener Waldschule (c) MA49 Loschan

Klimafitte Waldwirtschaft in Vorarlberg

In Vorarlberg haben sich Sibratsgfäll und neun weitere Gemeinden zur Klimawandel-Anpassungsmodellregion (KLAR!) Vorderwald zusammengeschlossen. Die Holzfreundlichkeit der Region hat wirklich Modellcharakter. Zum Beispiel wird hoher Wert auf Vermittlung von Wissen gelegt. Kinder werden mit den vielfältigen Angeboten zu den Themen Wald, Umwelt bzw. Klima sensibilisiert. Auch Erwachsene können aus einem reichhaltigen Angebot an Bildungsveranstaltungen auswählen. Durch aktives Arbeiten am klimafitten Wald der Zukunft, setzt KLAR auf die Bewirtschaftung von Mischwäldern. Waldbesitzerinnen und Waldbesitzer werden von den Gemeinden finanziell, personell sowie organisatorisch unterstützt. Damit sollen Wirtschaftlichkeit, Schutz- und Erholungsfunktion, Naturnähe und Nachhaltigkeit der Wälder erhöht und damit die Region als Ganzes gestärkt werden. "Wald und Holz begegnen uns in unseren Gemeinden auf Schritt und Tritt. Wir leben im schönen Bregenzerwald und nützen das Holz als hervorragenden Baustoff selbstverständlich. Gerade die Gemeinden schätzen die Multifunktionalität unsrer Wälder außerordentlich", sagt Bürgermeister Martin Bereuter.

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Waldbewirtschaftung mit Pferd (c) Gemiende Sibratsgfäll

Wald und Holz sind gut für das Klima

„Der Klimawandel ist eine der größten Herausforderungen unserer Zeit. Ich freue mich, dass es mir gemeinsam mit meinen Partnern gelungen ist, das Thema Wald und Holz als Teil der Lösung herauszustreichen“, erklärt Bundesminister Andrä Rupprechter. Der Wald ist ein Hauptbetroffener des Klimawandels; er ist aber gleichsam wie der wertvolle Rohstoff Holz auch Teil der Lösung. Der Wald ist der größte Kohlenstoffspeicher Österreichs und im Zuge des Baumwachstums wird der Atmosphäre beständig klimaschädliches CO2 entzogen. Der nachhaltige und erneuerbare Rohstoff Holz kann in langlebigen Produkten langfristig Kohlenstoff binden und auch Rohstoffe ersetzen, deren Produktion wesentlich energie- und damit CO2-intensiver sind. Auch als erneuerbarer Energieträger spielt Holz eine wesentliche Rolle für eine positive CO2 Bilanz.

Projekt Wald im Klimawandel hilft dem Wald

Unter der Leitung des Bundesforschungszentrums für Wald (BFW) werden österreichische Gemeinden und die heimischen Waldbesitzerinnen und –besitzer darüber informiert, wie sie durch die Forcierung des wertvollen Rohstoffes Holz sowie durch eine nachhaltige und angepasste Waldbewirtschaftung zum Klimaschutz beitragen können und gleichzeitig ihre Wälder klimafit gestalten können. In einer Reihe von Veranstaltungen in ganz Österreich sowie durch die Informationsplattform (www.wald-im-klimwandel.at) werden Empfehlungen und Praxistipps vermittelt. „Unseren Waldbauern kommt im Rahmen dieser Initiative eine zentrale Rolle zu, aber sie sind auch zur Mitarbeit gefordert. Die österreichischen Landwirtschaftskammern stehen gerne zur Verfügung um Waldbesitzerinnen mit Rat und Tat zur Seite zu stehen“, bekräftigt Landwirtschaftskammerpräsident Hermann Schultes.